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Die Tricks mit fragwürdigen StudienCholesterinwerte und Blutdruck:

So krank macht uns die Pharmaindustrie

Montag, 11.04.2016, 19:56
 
 
 
 
 
 

Ob Bluthochdruck oder Blutzucker – Grenzwerte werden immer wieder gesenkt. Der Pharmaindustrie beschert das Millionen neuer Patienten. Die Zahlen basieren oft auf fragwürdigen Studien. Die Dokumentation „Die Story im Ersten: Im Land der Lügen“ zeigt, mit welchen Tricks wir getäuscht werden.

  • Viele Gesunde sind in Deutschland plötzlich krank.
  • Das ist ganz im Interesse der Arzneimittelkonzerne.
  • WerPillengegenBluthochdruckoderDiabetesTyp 2 schluckt, sollte kritisch bei seinem Arzt nachfragen.

DieIdealwerte für Blutdruck sind in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken. Immer mehr Menschen wurden dadurch zu Bluthochdruckpatienten. Pillen senken ihr Risiko. Davon wiederum profitiert die Pharmaindustrie.

Das sei nur ein Beispiel, das zeigt, wie Menschen mit Zahlen manipuliert werden. Das erläutern Experten in der Dokumentation „Die Story im Ersten: Im Land der Lügen“ (heute Abend, 22.45 Uhr,ARD), die hinterfragt, mit welchen statistischen Methoden die Menschen getäuscht werden.

Die Grenze zwischen krank und gesund verschiebt sich

„Klar ist, die Pharmaindustrie lebt sehr gut von der Bluthochdruckbekämpfung“, heißt es in dem Bericht. Es ist ein milliardenschweres Geschäft auf Basis statistischer Zahlen. Um das zu belegen, hat die Sendung mit verschiedenen Fachleuten gesprochen.

 

Eine von ihnen ist Ingrid Mühlhauser. Die Gesundheitswissenschaftlerin ist sich sicher, dass sich die Interessen der Industrie nicht zwangsläufig mit denen der Patienten decken. Ihrer Meinung nach kommen viele Studien gerade im Ernährungsbereich in der Medizin höchst fragwürdig zustande.

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Weiteres Beispiel Diabetes Typ 2: Grenzwert von 140 mg/dl auf 126 mg/dl gesenkt

Auch der Allgemeinarzt Stefan Wilm spricht von „Übertreibung“, was die Dramatisierung der Krankheit Diabetes Typ 2 angeht. Diese erfolge unter anderem mit dem Interesse, eine Erkrankung in den Vordergrund zu rücken, um mehr Fördergelder für Studien oder politische Unterstützung zu bekommen.

Jeweiter der Grenzwert gesenkt wird, umso mehr Patienten gibt es. Das nütze nach Wilms Einschätzung der Arzneimittelindustrie, aber nicht dem Patienten.

Allein die Senkung des Grenzwertes von 140 mg/dl auf 126 mg/dl hat der Industrie Millionen neuer Patienten beschert. Einen noch deutlicheren Effekt hatte die Einführung von Prädiabetes, der Vorstufevon Diabetes, den Menschen ab einem Wert von 110 mg/dl (Definition der WHO) haben. „Grenzwerte runter, Umsätze rauf“, bilanziert der Bericht. Wilm ergänzte: Mit den passenden Richtgrößen könnten wir die Hälfte der Deutschen krank machen.

Daher kommen die Grenzwerte für Blutzucker

Eine Kommission wertet Studien aus und legt die Grenzwerte für Blutzucker fest. Der Kommissionschef James Gavin legt allerdings nicht nur die kritischen Werte mit fest. Gleichzeitig ist der Wissenschaftler Vorsitzender der US-amerikanischen Diabetesgesellschaft und als Berater der Pharmaindustrie äußerst aktiv.

Der Bericht des SWR führt außerdem vor Augen: Nur sechs Prozent der Studien zu Diabetes Typ 2 ist tatsächlich unabhängig entstanden. In den restlichen Fällen gab es Verquickungen der Autoren mit der Arzneimittelbranche (Quelle: British Medical Journal).

Auch der weltweit anerkannte Risikoforscher Professor Gerd Gigerenzer kritisiert, der medizinische Nutzen sei in vielen anderen Bereichen längst nicht so eindeutig, wie vorgegeben werde. Die Zahlen basierten oft auf fragwürdigen Studien, die interessengesteuert entstanden seien.

 

Der Risikoforscher fordert: „Wir sollten aber nicht nur beklagen, dass man uns mit Zahlen manipuliert. Wir brauchen auch Ärzte, die wissen, wie Grenzwerte entstehen und was sie tatsächlich bedeuten.“


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