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Öko-Test und die „Superfoods“

von Rene Graeber

„Tante Öko-Test“ hat einen brandaktuellen Test zu bieten: Superfood (oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=107544&bernr=04&seite=00). Unter „Superfood“, also Supernahrung, versteht Wikipedia (wikipedia.org/wiki/Superfood) einen „Marketingbegriff, der Lebensmittel mit angeblichen Gesundheitsvorteilen beschreibt“. Und damit niemand auf den Gedanken kommt, dass besonders gute Ernährung etwas mit Gesundheit zu tun haben könnte, warnt Wikipedia mit Hilfe des Europäischen Informationszentrums für Lebensmittel: „[…] und obwohl wissenschaftliche Studien oft positive gesundheitliche Wirkungen ergeben, lassen sich die Resultate nicht unbedingt auf die reale Ernährung übertragen.“

Wenn es um neue Medikamente geht, dann gilt eigenartigerweise diese Sicht der Dinge nicht mehr. Hier gelten wissenschaftliche Studien auch mit manipulierten Daten als „evidenzbasiert“ und auf die Realität übertragbar (Das Geschäft mit wertlosen und gekauften Medizinstudien) .

 

Nachdem wir also wissen, dass „Superfood“ ein Marketingbegriff ist und mit der Realität nichts zu tun hat, können wir uns dem Öko-Test widmen, allerdings nicht ganz ohne ein gewisses mulmiges Gefühl zu haben. Denn wir hatten bereits das „Vergnügen“. Öko-Test und seine Testergebnisse für Schüssler Salze hatte ich hier kommentiert: Schüssler Salze im Öko Test. Und der Test von Vitamin-D-Präparaten hier: Vitamin D – Präparate im Test.

Beiden Tests ist gemeinsam, dass sie eigentlich weniger Test, sondern nur ein Abgleich sind, ob man sich bei den Herstellern von Präparaten auch netterweise an die gängigen Vorschriften von Gesundheitsbehörden und BfR gehalten hat. Besonders lustig ist dann die Bewertung von den Salzen und Vitamin D und die dafür geltende Beurteilungsbasis: Die Salze fallen durch, weil kein Wirkstoff drin ist und Vitamin D fällt durch, weil zu viel vom Vitamin drin ist. Und beide fallen auch durch, weil keiner sich an die behördlichen Richtlinien hält. Mit anderen Worten: Diese beiden Tests sind keine Tests, sondern das behördliche Glaubensbekenntnis eines Papageis. Da drängt sich der Verdacht auf, dass der neue Test mit den Superfoods eine Fortsetzung der alten Tests ist: Langweilig, ermüdend, nichtssagend.

Der Superfood-Test

Wie es aussieht, hat man bei Öko-Test meine alten, oben erwähnten Beiträge gelesen, und sich entschlossen, einmal wirklich zu testen anstatt behördliche Vorgaben zu vergleichen. Aber leider müssen wir erfahren, dass Öko-Test nicht selbst testet, sondern testen lässt. Auf Seite 3 der Webseite erfahren wir, dass man 22 Superfood-Produkte eingekauft hatte und diese in „spezialisierten Laboren untersuchen“ ließ. Auf insgesamt 8 Seiten wird dann das Ergebnis, das bereits vor den Laborergebnissen festzustehen schien, breitgetreten.

Auf der ersten Seite erfahren wir, dass Superfood etwas mit exotischen Nahrungsmitteln zu tun hat, wie Goji-Beeren, Chiasamen, Spirulina-Algen, Moringablätter etc. Dann soll es „wundersame Wirkungen“ geben, die von den Anbietern dieser Exoten versprochen werden, wie zum Beispiel Wirkungen gegen „Blutzuckerstress“ (ein für mich neuer Begriff), Schlaganfallrisiko und Herzinfarktgefahr. Anti-Aging, Erschöpfungszustände und andere Unpässlichkeiten sollen auch mit den Superfoods „behandelt“ werden können.

Aber Öko-Test macht schon hier klar, dass es sich hier angeblich nur um Werbeaussagen handelt und jeder wissenschaftlicher Beleg fehlt. UnterSpirulina Algen – Fakten – Wirkung und Studien dagegen hatte ich eine nicht gerade kurze Liste an wissenschaftlichen „Belegen“ diskutiert, die auf evidenzbasierten Arbeiten gründen und das pure Gegenteil der Öko-Test-Behauptungen dokumentieren. Zum Chiasamen habe ich Folgendes zu berichten: Chia Samen – Wirkung und Erfahrungen. Auch hier gibt es Aussagen, die meilenweit entfernt sind von der Öko-Test-Unterstellung, dass es keine wissenschaftlichen Belege gibt. Ich gebe allerdings zu, dass es noch nicht genug Arbeiten zu diesen Substanzen gibt, denn die bisherigen Ergebnisse sind mehr als vielversprechend. Ähnliches lässt sich ebenfalls von der Goji-Beere sagen: Goji: Eine Wunderbeere?

Allerdings weiß Öko-Test, dass es positive Eigenschaften gibt, die man auch nicht mit Tests wegdiskutieren kann. Denn die Inhaltsstoffe sind Stoffe, die gesundheitlichen Nutzen haben. Aber auch das kann man sofort relativieren, indem man die dazu getroffenen wissenschaftlichen Erkenntnisse einfach ins Reich der Phantasie teleportiert:

„Superfood wird meist ein besonders großes antioxidatives Potenzial nachgesagt“, sagt Angela Clausen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Dieses lässt sich im Reagenzglas messen und wird gelegentlich als ORAC-Wert angegeben.“ ORAC bedeutet Oxygen Radical Absorbance Capacity und besagt, wie viele freie Radikale mit einem Gramm Saft oder Frucht neutralisiert werden können. „Die ORAC-Werte sind jedoch reine Laborwerte. Die bei der Messung ablaufende Reaktion findet so im menschlichen Körper gar nicht statt.“

Natürlich sind solche Untersuchungen der reine Unsinn, da wir ja keine Reagenzgläser essen. Denn nur im Reagenzglas entfalten die Substanzen ihre anti-oxidativen Fähigkeiten. Also kann man auch keine Aussagen zum anti-oxidativen Potential der Inhaltsstoffe machen. Aber warum werden dann solche Untersuchungen überhaupt gemacht, wenn sie absolut nutzlos sind? Zum Sinn und Unsinn von ORAC und anderen Messverfahren für anti-oxidative Substanzen können Sie hier Folgendes nachlesen: Krieg der Antioxidantien – ORAC gegen TOSC.

Nachdem wir schon auf Seite 1 wissen, dass Superfoods nichts taugen und nur im Reagenzglas wirken, kommt der eigentliche Test. Ich bin aber schon hier geneigt, alle Superfoods sausen zu lassen, da ich mich weigere, Reagenzgläser zu essen, damit die Superfoods in meinem Organismus anti-oxidativ wirksam werden können.

Aber damit bin ich einem fatalen Irrtum aufgesessen. Der Test soll ja gar nicht die Wirksamkeit oder den gesundheitlichen Nutzen der Superfoods ermitteln. Der Test beurteilt, wie schädlich dieselben für den Konsumenten sind. Öko-Test weiß selbst, dass es keine wissenschaftlichen Belege über die Schädlichkeit der Superfoods gibt (auch nach eigenen Angaben). Also zielt man in Scharfschützenmanier auf ein ganz anderes Segment, das mit „Superfood“ rein gar nichts zu tun hat: Die Kontaminierung mit Umweltgiften.

Ich will es kurz machen, denn es lohnt sich nicht, die Mangelliste für jedes der 22 Produkte hier nachzubeten. Unter dem Strich kommt heraus, dass alle, bis auf zwei, Produkte von Grund auf verseucht sind mit Schwermetallen, Pestiziden, Insektiziden, Mineralölrückständen etc. Ein Grund für diese Verseuchung sucht Öko-Test in den Anbaugebieten fernab der Heimat, wie zum Beispiel Brasilien und China, die bekannt sind für lasche Kontrollen und Verordnungen in Sachen Umweltschutz. Somit steht also fest, dass Superfoods immer kontaminiert sein müssen, da sie aus den falschen Ländern kommen.

Eine Besonderheit dann doch auf Seite 4. Hier bemängelt Öko-Test, dass ein Rohkakao eine Substanz gegen Mücken/Insekten beinhaltet, DEET (Autan). Aber es gibt keine Restriktionen hier gegen eine Verwendung des Insektizids, wenn man gewisse Grenzwerte beachtet. Aber der Rohkakao fällt nur deshalb durch, weil er keine offizielle Genehmigung zur Überschreitung dieser Grenzwerte für die Kontaminierung des Kakaos hat. Mit anderen Worten: Hätte das Produkt eine behördliche Genehmigung für das Überschreiten der Grenzwerte, dann wäre alles in Ordnung; und das Produkt wäre trotz seiner Belastung für den Konsumenten zu empfehlen. Hallo! Geht es nicht noch perverser???

Noch eine Stellungnahme

Nachdem Öko-Test drei Seiten weiter sein vernichtendes Urteil aufgrund der hoffnungslosen Kontaminierung der Superfoods gefällt hat, sollte eigentlich der Schlussakkord ertönen. Aber der ertönt eben nicht. Vielleicht weiß man bei den Testern, dass Superfood und Kontaminierung nicht ein und dasselbe sind. Vielleicht weiß man hier auch, dass man Superfood unter Umständen auch ohne Kontaminierung produzieren kann. Aber dann hätten die Protagonisten der Supernahrungsmittel doch wieder den Joker in der Hand. Das darf nicht sein!

Also wenden sich die Tester wieder dem Thema zu, das sie gar nicht getestet, sondern eingangs schon in Grund und Boden vermaledeit haben: „Keine Supereffekte zu erwarten“.

So widmet sich die letzte Seite dem „Nachweis“, dass Superfood überhaupt nicht gesund ist, sondern mit normalen Nahrungsmitteln, wie sie in unserem Land angebaut werden, durchaus konkurrieren kann. Konkurrieren im Sinne von Nährstoffgehalt, denn über eine Kontaminierung der deutschen Lebensmittelerzeugnisse lassen sich die Tester hier nicht aus.

Dazu wird ein „Experte“ zitiert:

Zunächst ist die vermehrte Nutzung von pflanzlichen Produkten mit einer hohen Nährstoffdichte durchaus positiv zu betrachten. Allerdings sind von Superfoods keine Supereffekte zu erwarten, zumal wissenschaftliche Belege für die versprochenen Wirkungen in den meisten Fällen fehlen. Eine gesunde Ernährung hängt auch nicht von einzelnen Lebensmitteln ab. Superfoods können daher Ernährungssünden nicht kompensieren. Sie sind – wenn überhaupt – nur dann sinnvoll, wenn weitere Lebensstilfaktoren verändert werden wie Nichtrauchen und mehr Bewegung.“

Auch der Experte weiß nichts von wissenschaftlichen Belegen, obwohl es sie fast wie Sand am Meer gibt. Auf der anderen Seite teile ich die Ansicht, dass Superfoods kein Ersatz für „Ernährungssünden“, Fehlernährung und kontaminierte Nahrungsmittel sind. Und auch der letzte Satz im Zitat über Lebensstil, Nichtrauchen und mehr Bewegung ist für mich wie ein kleiner Lichtblick.

Die Bewertung der Bewertung

Auf der letzten Seite wird ein Resümee zu den „Inhaltsstoffen“ der Superfoods gezogen. Wer jetzt glaubt, dass Inhaltsstoffe die Stoffe sind, die die Pflanzen ausbilden, der muss sich hier enttäuscht sehen. Für die Öko-Tester enthalten Superfoods als Inhaltsstoffe nur „Rückstände und Verunreinigungen“. Und daher kommt man zu dem Schluss, dass Superfoods überflüssig sind. Normale Lebensmittel aus deutschen Landen (frisch auf den Tisch; ein weiterer Marketinggag) sind hier angeblich viel besser, denn die Tester haben vorsorglich deren mögliche Kontamination nicht einmal mit einem einzigen Wort erwähnt. Und genau das wäre der „wissenschaftliche Test-Beleg“ aus dem Hause Öko-Test.

Für mich ist dieser Test eine weitere Verdrehung von Fakten zugunsten der Lebensmittelindustrie. Superfood immer nur in Zusammenhang mit Verunreinigungen und Rückständen zu sehen, ist für mich eine neue Dimension der Manipulation von Argumenten. Denn auch die Öko-Tester scheinen zu wissen, dass Superfoods ohne Kontaminierung eben nicht so ohne weiteres mit deutschen Lebensmitteln verglichen werden können. Das liegt aber nicht an der Staatsangehörigkeit der Lebensmittel, sondern an der Lokalität, wo diese Pflanzen wachsen. Aufgrund der günstigen Witterungsbedingungen in den Tropen und Subtropen gibt es dort ein viel größeres Entwicklungspotential für pflanzliche Sekundär- und andere Nährstoffe.

Auf der anderen Seite will ich nicht behaupten, dass deutsche Nahrungsmittel nichts taugen. Im Gegenteil. Wer sich auf dem Bio-Bauernhof mit saisonalen Produkten eindeckt, der hat eine grundsolide Basisversorgung mit Lebensmitteln. Vorausgesetzt, die Öko-Tester entdecken nicht auch hier nur „Verunreinigungen und Rückstände“.

Zur Frage dieser Verunreinigungen etc.: Ich kann nicht beurteilen, ob die Superfoods derartig stark mit all diesen Dingen verseucht sind, da ich kein Labor habe, um dies nachzuprüfen. Nicht einmal Öko-Test hat so ein Labor, sondern musste auf „spezialisierte Labors“ ausweichen. Daher kann ich nichts zu der Richtigkeit der gewonnenen Ergebnisse sagen. Ich möchte auch nicht behaupten, dass das alles so nicht stimmen kann. Denn auch der Handel mit Superfood ist ein Geschäft, in dem die „Gesetze“ von Gewinn und möglichst niedrigen (Un)Kosten ihre Geltung haben. Von daher kann ich mir vorstellen, dass man aus Kostengründen Kontaminierungen in Kauf nimmt, auch in der Hoffnung, dass niemand nachschaut. Von daher gibt es für mich dann doch noch einen Pluspunkt bei diesem Öko-Test: Superfoods mit Kontaminierungen sollte es nicht geben. Aber auch ganz normale Lebensmittel sollten giftfrei sein. Gut also, dass wir durch diesen Test jetzt wissen, dass Superfoods vielleicht doch nicht so lupenrein sind, wie wir es wünschen und erwartet haben.

Aber das macht sie noch lange nicht überflüssig.

Fazit

Der vorliegende Test zeigt, dass Superfoods Kontaminierungen aufweisen können, dass ist gut. Und wir erfahren auch, welche Marken wir zu meiden haben und welche wir eher kaufen können. Es bleibt aber der sehr fade Beigeschmack, dass man unterschwellig wohl beweisen möchte, dass Kontaminierung und Superfood fast synonym zu verstehen seien und damit weiter bewiesen würde, dass Superfoods per se überflüssig bis gefährlich für die Gesundheit sind.




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