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Gefahren durch FRACKING?

von René Graeber

Fracking ist nicht, wenn man sich einen Frack überwirft, um damit in die Oper zu gehen. Unter dem neudeutschen Wort versteht man im Deutschen wie im Englischen das Aufbrechen (fracturing) von Gesteinsschichten mittels einer Flüssigkeit, die unter hohem Druck in ein Bohrloch gepresst wird, welches zuvor in das Gestein eingetrieben worden ist. Durch diese Technik wird die Durchlässigkeit für Gase und Flüssigkeiten in der Gesteinsschicht verbessert, was den Zufluss von zum Beispiel Erdgas oder Erdöl zum Bohrloch erleichtert. Dies erhöht die Wirtschaftlichkeit, da die Fördermengen pro Zeiteinheit deutlich erhöht sind. Die Technik wird auch in der Geothermie eingesetzt, da hier die wärmeren Gesteinsschichten besser mit dem eingesetzten Wasser in Kontakt kommen und somit mehr Wärme aufnehmen können.

 

Soweit hört sich das Ganze nach wenig aufregenden Neuigkeiten an. Die USA sind wieder einmal Vorreiter in dieser Disziplin und „fracken“ schon seit den frühen 1990er Jahren. Die erste Bohrung dieser Art wurde dort 1947 durchgeführt. Die Befürworter dieser Technik erklären dann auch stolz, dass der ökonomische Nutzen zudem darin bestehe, dass auch enorme Mengen an zuvor unerreichbarem Erdgas und Erdöl durch diese Technik extrahierbar geworden sei.

Aber es gibt auch Gegner, die auf die möglichen Umweltschäden hinweisen, die von dem Einsatz des Fracking ausgehen, wie zum Beispiel die Verschmutzung des Grundwassers, Luftverschmutzung durch entweichende Gase, Verschmutzung durch den Einsatz von Chemikalien in der Flüssigkeit, die für den Frackingvorgang eingesetzt werden und so weiter. Inzwischen ist die Debatte darüber so heftig geworden, dass Länder, wie zum Beispiel Frankreich, das Fracking verboten haben (The French Public Says No to ‘Le Fracking’ und France to Keep Fracking Ban to Protect Environment, Sarkozy Says).

Der chemische Bohrer

Bei den mit Wasser durchgeführten „Hydraulic Frackings“ kommen nicht nur große Mengen an frischem Wasser zum Einsatz (circa 10 Millionen Liter pro Bohrung), sondern das eingesetzte Wasser wird mit Additiven versetzt, von denen jedes eine spezifische Aufgabe erledigen muss. Obwohl die Bohrfirmen versuchen, diese Additive geheimzuhalten, sind inzwischen eine Reihe der Substanzen publik geworden. Butyldiglycol zum Beispiel wird zum Wasser zugegeben, um die Tragkraft der Flüssigkeit für Sand zu erhöhen. Cholinchlorid erhält den Porenraum im Schiefer. Weitere Additive können sein  Polyethylenglycol-monohexylether, leichtes Paraffinöl, Octylphenolethoxylat, Magnesiumchlorid, Magnesiumnitrat, Tetramethylammoniumchlorid und Biozide (http://www.braunschweiger-zeitung.de/lokales/Braunschweig/fracking-erste-probe-bohrungen-anfang-2014-id615285.html).

Das „American Petroleum Institute“ brachte 2010 eine Broschüre heraus, in der es das Fracking und eine Reihe von Additiven beschrieben hat: api.org/policy/exploration/hydraulicfracturing/upload/
HYDRAULIC_FRACTURING_PRIMER.pdf. Darin beschreibt das Blättchen folgende Substanzen:

  • Säuren, Salzsäure oder Essigsäure für das Präfracking, um die ersten Risse in unmittelbarer Nähe des Bohrlochs zu erzeugen – übliches Einsatzgebiet als Reinigungssubstanzen für Schwimmbecken
  • Kochsalz (Natriumchlorid) verzögert den Abbau von Gel-Polymeren – übliches Einsatzgebiet als Tafelsalz
  • Polyacrylamid und andere Substanzen, die Reibung verhindern, erlauben es den Pumpen, mit einer höheren Förderleistung zu arbeiten, ohne dabei entsprechend höheren Druck aufbauen zu müssen. – übliches Einsatzgebiet: Wasseraufbereitung und Bodenkonditionierer
  • Ethylenglycol verhindert die Ablagerung von Sedimenten und Plaques in den Rohren – übliches Einsatzgebiet: Haushaltsreiniger, Frostschutzmittel
  • Boronsäure sichert die Fließviskosität bei steigender Temperatur der Fracking-Flüssigkeit – übliches Einsatzgebiet: Waschmittel, Handseifen, Keramiken
  • Natrium- und Kaliumkarbonat kommt zum Einsatz, um die Effektivität von Vernetzungen der Polymere zu erhöhen – übliches Einsatzgebiet: Detergenzien, Seifen, Glas, Keramik
  • Glutaraldehyd dient als Desinfektionsmittel – übliches Einsatzgebiet: Sterilisation von medizinischem und zahnmedizinischem Material
  • Guaran, ein pflanzlicher Schleimstoff, und andere wasserlösliche gelierende Substanzen erhöhen die Viskosität der Fracking-Flüssigkeit, was das Stützmittel effektiver in die Formationen einbringen kann – übliches Einsatzgebiet: Dickungsmittel in Kosmetika, Backwaren, Eiscreme, Zahnpasta, Soßen
  • Citronensäure verhindert Korrosion – übliches Einsatzgebiet: Nahrungsmittelzusatz, Zitronensaft
  • Isopropylalkohol erhöht die Viskosität der Fracking-Flüssigkeit – übliches Einsatzgebiet: Glasreiniger, Deodorant, Haarfärbungsmittel

Aufgrund der Beschreibungen seitens der Broschüre kann der Eindruck entstehen, dass die Additive kein Problem darstellen sollten, da sie ja fast überall im täglichen Leben so gut wie selbstverständlich sind.

Keine Gefahr also, oder? Die Broschüre protzt förmlich vor Umweltfreundlichkeit und ist grüner als grün ausgelegt.

Da stellt sich die Frage, warum die Bohrfirmen dann die Additive als Betriebsgeheimnis betrachten? Kochsalz und Zitronensaft im Bohrloch – ein Geheimrezept? Wohl kaum.

Es könnte sich hier vielleicht um ein geheimes Koch- oder Backrezept von Dr. Röttger handeln. Aber hier geht es um die Verschleierung von Substanzen, die weitaus gefährlicher zu sein scheinen, als das, was man freiwillig preisgegeben hat. Denn es besteht immerhin die nicht auszuschließende Möglichkeit, dass der salzhaltige Zitronensaft der Bohrfirmen ins Grund- und damit ins Trinkwasser vordringt. Damit hätten wir noch ein wenig mehr  Chemie zusätzlich im Kaffeewasser und im Kochkessel.

Geschäft über Gesundheit

Das Fracking kommt mit einer Reihe von weiteren negativen Einflüssen daher, die sich nicht nur auf das verseuchte Fracking-Wasser im Millionen-Liter-Format beziehen. Das eingesetzte Wasser muss zum Bohrloch transportiert werden und nachher wieder entsorgt werden. LKWs oder Pipelines müssen dafür eingesetzt werden, was die entsprechenden Umweltbelastungen mit sich bringt. Durch das Fracking werden Gase freigesetzt, die die Luftqualität beeinträchtigen. Die Liste an negativen Folgen ist so lang, dass sie hier nicht mehr in diesen Artikel reinpasst. Aber über die Umweltschäden und dem Ausgesetztsein in mehr oder weniger unmittelbarer Nähe zu solchen Unternehmungen scheint es direkte gesundheitliche Schädigungen zu geben, die die Industrie nicht zugeben möchte.

Eine Studie vom Oktober 2012 untersuchte die Risiken für die öffentliche Gesundheit in Pennsylvania aufgrund von Gasbohrungen und den damit verbundenen Frackings (http://www.earthworksaction.org/files/publications/Health-Report-Full-FINAL-sm.pdf). Es zeigte sich, dass 70 Prozent der Betroffenen über Halsschmerzen oder Irritationen im Hals klagten. 80 Prozent der umliegenden Anwohner solcher Anlagen zeigten vermehrt Probleme mit einer Sinusitis nachdem sie mit dem extrahierten Gas in Berührung gekommen waren. Auch hier war die Industrie sofort mit der für sie typischen Art der Hilfestellung vor Ort: Alle Klagen beruhen nur auf Einbildung, sind bestenfalls Einzelfälle und damit gegenstandslos (http://www.ipsnews.net/2012/10/shale-gas-extraction-brings-local-health-impacts/). Insgesamt wurde von den Betroffenen von 24 verschiedenen gesundheitlichen Probleme berichtet, die an Intensität zunahmen, je näher die Betroffenen an der Bohranlage lebten. Zum Beispiel wenn die Anlage 460 bis 1200 Meter entfernt gelegen war, dann berichteten 27 Prozent der Anwohner über Halsschmerzen. Diese Zahl erhöhte sich auf 63 Prozent, wenn der Abstand auf unter 460 Meter bis auf 150 Meter schrumpfte. Anwohner, die weniger als 150 Meter von der Anlage lebten, zeigten zu 74 Prozent die genannten Symptome.

62 Prozent der Teilnehmer klagten über verstärkte Ermüdungserscheinungen. 58 Prozent zeigten neben den Sinusitis Problemen auch Atemwegserkrankungen. Die Studie entdeckte auch ein hohes Maß an Verhaltensveränderungen und Gemütsveränderungen bei den Beteiligten.

Bamberger und Oswald führten eine Umfrage in sechs Staaten der USA durch (Colorado, Louisiana, New York, Ohio, Pennsylvania). Sie befragten Tierbesitzer in der Nachbarschaft zu Bohranlagen und befragten die zuständigen Tierärzte. Ziel war, den Gesundheitszustand von Menschen und Tieren in diesen Zonen zu ermitteln. Die Liste an Problemen bei den Tieren ist beträchtlich: Schlechter Allgemeinzustand, Probleme bei Reproduktion, Milchproduktion, Wachstum, plötzlicher Tod, neurologische Ausfallserscheinungen, Probleme im Harnwegbereich, Gastrointestinaltrakt, Haut und so weiter. Bei den Menschen traten Augenbrennen, Beschwerden in den oberen Atemwegen, Kopfschmerzen, dermatologische und gastrointestinale Symptome auf (http://www.psehealthyenergy.org/data/Bamberger_Oswald_NS22_in_press.pdf).

Angesichts dieser Tatsachen, die nicht nur Resultat von Gerüchten oder „Anekdoten“ sind, sondern gezielt durchgeführten Beobachtungsstudien, muss es jeden verwundern, wenn die Industrie, die für diese gesundheitlichen Bedrohungen verantwortlich ist, einfach nur abwinkt und jeden Zusammenhang leugnet.

Aber hatten wir so etwas nicht schon einmal im großen Stil? Richtig – in den 1980er Jahren leugnete die Tabakindustrie auch den Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs, von anderen Krebsformen ganz zu schweigen. Heute erntet man nur noch ein müdes Lächeln, wenn man behauptet, das Rauchen krebserzeugend ist. Man könnte genauso gut behaupten, dass der Papst katholisch sei.

Fracking und gesundheitliche Beeinträchtigungen durch verseuchte Luft und/oder verseuchtes Wasser dagegen sollen urplötzlich nichts miteinander zu tun haben. Auch die Tatsache, dass die Menschen, die der Bohranlage am nächsten wohnen, signifikant mehr Symptome aufweisen als die, die weit davon entfernt leben, ist kein Grund für auch nur den Verdacht eines Zusammenhangs. Seltsamerweise nutzen die Kollegen aus der Pharmaindustrie genau solche statistischen Beobachtungen, um zu zeigen, wie toll die Impfungen die Infektionskrankheiten in den Griff bekommen haben. Am Bohrloch voll mit Zitronensaft jedoch versagt urplötzlich diese Statistik, zum Wohle der Bohrer.

Haben wir damit alle Unstimmigkeiten und Ungereimtheiten aufgezählt? Nein – haben wir nicht. Es kommt noch „doller“. Da Pennsylvania im Zusammenhang mit Fracking besonders häufig in den Berichten auftaucht, können wir davon ausgehen, dass hier besonders intensiv gebohrt wird, was auch die beiden oben erwähnten Studien vermuten lassen. Und wie die Studien belegen, sind die erkrankten Menschen dort auch besonders häufig.

Da aber die vollkommen „ungefährlichen und unproblematischen“ Zusätze zum Fracking-Wasser als geheim angesehen werden, haben die Ärzte, die die Opfer der Bohr-Industrie behandelt müssen, kein leichtes Spiel. Denn sie wissen nicht, welche Substanzen die Symptome beziehungsweise die organischen Störungen verursachen. Folglich gab es eine Anfrage an die zuständigen Regierungsbehörden, die zum Ziel hatte, die Betreiber der Frackingbohrungen zu zwingen, alle eingesetzten Chemikalien zu offenbaren. Umweltschützer unterstützten diese Forderung (http://www.huffingtonpost.com/2012/04/13/pennsylvania-fracking-disclosure_n_1422272.html).

Resultat: Die Bohr-Industrie lenkte ein, aber unter der Bedingung, dass den behandelnden Ärzten nur dann Einsicht gewährt wird, wenn die einen Vertrauensvertrag unterschreiben. In diesem Vertrag verpflichtet sich der Unterzeichnende, keine Angaben über die Art und Natur der Chemikalie(n) zu machen, die den Patienten umbringt. Das heißt für den Arzt, dass er in seiner Diagnose zwar weiß, dass zum Beispiel die Chemikalie X Ursache für die Beschwerden des Patienten ist, kann aber in seinem Diagnosebericht diese Ursache nicht benennen, da er einen Vertrag mit der Bohr-Industrie abgeschlossen hat. Die Frage ist, wie kann er therapeutische Maßnahmen ergreifen gegen die Chemikalie X, wenn er in seiner Diagnose nur den Wolf und die sieben Geißlein als Ursache angeben kann? Oder wenn er die Chemikalie X nicht nennen darf, was soll er sonst angeben? Er darf auch keine Therapie gegen Chemikalie X einleiten, denn dann müsste er von Rechts wegen auch über die Diagnosestellung begründen, warum er dies macht und nichts anderes. Denn er darf nicht zum Beispiel Bronchitis als Diagnose angeben und dann mit einer Ausleitung beginnen. Hier würden Diagnose und therapeutische Maßnahme nicht miteinander vereinbar sein. Solche Ungereimtheiten stellen eine Bedrohung für die Zulassung des Arztes da, wenn der Patient oder seine Angehörigen vor Gericht ziehen. Es bleibt in einem solchen Fall für den Arzt keine andere Wahl, als wissentlich und die Industrie schützend seinen Patienten vor die Hunde gehen zu lassen.

Wie weit im Land der schrankenlosen Unmöglichkeiten die Menschenverachtung geht, zeigen die zuständigen Regierungsvertreter. Sie betrachten diese Regelung als einen Meilenstein. Die heißgeliebte Industrie darf weiterhin ihre giftigen Geheimnisse unter Land und Leute streuen und die behandelnden Ärzte, die die Opfer auflesen müssen, bekommen einen Einblick, den sie nicht verwerten dürfen. Aber immerhin auf dem Papier macht die Industrie die Angaben, die sie eigentlich ohne Zwang hätte machen sollen. Und damit die Fracking-Bohrer auch in Zukunft weiter giften können, sind angesetzte Forschungsgelder von 2 Millionen Dollar, die für Untersuchungen über Krankheiten verursacht durch das Fracking eingesetzt werden sollten, ersatzlos gestrichen worden. Der zuständige Regierungsvertreter lieferte dann auch sofort eine zynische Alternative: Örtliche Gesundheitsämter und private Forschungsinstitute könnten sich ja um so unwichtige Dinge kümmern.

Fazit

Wenn der Zahnarzt nicht bohrt, dann ist das gut. Wenn die Ölfirmen bohren, dann ist das sehr gut – für sie und nicht für die Leute, die in der Nähe einer Bohranlage leben müssen. Umweltschäden von Boden, Luft und Wasser sind eher die Regel als die Ausnahme. Das Resultat ist, dass Menschen durch die eingeleiteten Gifte erkranken. Auch das Argument, dass die Mengen auf 10 Millionen Litern Wasser so verdünnt werden, dass sie keine Rolle mehr spielen, ist ein Ablenkungsmanöver von den Realitäten. Die New York Times berichtete von Chemikalien, die auch bei geringsten Verdünnungen noch ihr krebserzeugendes Potential bewahren, aber dennoch großzügig als Additiv bei den Bohrungen eingesetzt wurden (B.T.E.X. Chemikalien – Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylolen). Dazu kommt noch, dass das benutzte Fracking-Wasser nicht von normalen Kläranlagen gereinigt werden kann. Da erhebt sich die Frage, wohin dann mit dem Zeugs?

Amerika ist zwar weit weg, aber auch in Deutschland hat im bescheidenen Rahmen das Fracking begonnen. ExxonMobil hat eine Erdgasbohrstätte bei Söhlingen in Niedersachsen. Auch hier gab es Umweltschäden durch Quecksilberverseuchungen des Bodens. Und auch hier gab es die bekannten Dementis von Industrie und Behörden (http://daserste.ndr.de/panorama/media/exxon135.pdf).

Fürs Wochenende freue ich mich schon auf ein gut gezapftes Bier mit einer ordentlichen Prise Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylolen, Marke „Frackingheimer“. Denn man gönnt sich ja sonst nichts.


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