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Eine Pharmafirma, die wahrscheinlich für Millionen Tote verantwortlich ist

Erst neulich veröffentlichte ich diesen Beitrag: Opioide – Der Nummer 1 Killer für alle unter 50. Die Zahlen, die hier zur Sprache kommen, gelten – bislang noch – für die USA, die im Laufe der letzten Jahre unter einer Flut von „Opium-Toten“ begraben wird.

Der Vorsitzende der amerikanischen Ärztekammer verkündete unlängst die traurige Nachricht, dass mehr Amerikaner heute verschreibungspflichtige Opioide konsumieren als Zigaretten rauchen (Surgeon General Report Tackles Addiction – Scientific American). Die damit verbundene Abhängigkeit von diesen Substanzen kostet die Vereinigten Staaten fast 200 Milliarden USD jedes Jahr. Wer darf sich da noch wundern, wenn Opioide in den USA heute die führende Todesursache bei den unter 50-Jährigen ist?

Da sage ich doch gleich mal wieder DANKE an die Schulmedizin und ihre Helfershelfer!

 

 

 

Eine aufschlussreiche Webseite der amerikanischen Gesundheitsbehörde NIH (Overdose Death Rates | National Institute on Drug Abuse (NIDA)) bringt eine Reihe von Grafiken, die den Anstieg der Drogentoten unter verschiedenen Bedingungen in den USA zwischen 2002 und 2015 dokumentieren.

Nahezu alle Grafiken unter verschiedenen Aspekten (Todesfolge aufgrund medikamentöser Therapie, Todesfolge aufgrund verschreibungspflichtiger Opioide, Todesfolge aufgrund verschreibungspflichtiger Schmerzmittel auf Opioid-Basis etc.) zeigen eine dramatische Steigerung in dem erwähnten Zeitraum.

Auch die Statistiken für Herointote ist auffällig stark in diesem Zeitraum gestiegen. Grund dafür scheint die Tatsache zu sein, dass verschreibungspflichtige Opioide die optimale Einstiegsdroge für eine Heroinabhängigkeit darstellen, die dann die entsprechenden Zahlen in den Statistiken hinterlässt. Laut NIH gibt es über 200.000 belegte Todesfälle in der Zeit zwischen 2002-2015. Wenn man dann bedenkt, dass es so etwas wie eine „Dunkelziffer“ gibt, dann wird die ganze Sache noch unheimlicher.

Der Trick, der selbst die Rauschgift-Mafia alt aussehen lässt

Bei solchen Zahlen fragt man sich natürlich sofort: Wie kann es bei den strengen Gesetzesauflagen zu so einer Sucht-Epidemie kommen?

Während Heroin und andere Rauschgifte beziehungsweise deren Dealer vom Staat unnachgiebig verfolgt werden, kommt es zu einer Opioid-Epidemie, geradeso als wenn Pablo Escobar und Konsortien immer noch die Fäden in den Händen hielten. Aber Pablo ist tot. Und das ist gut so, denn damit ist Platz für die modernen Drogen-Dealer, die das Geschäft viel effektiver und vor allem weniger gewalttätig in der Gesellschaft verankern. Man kann sogar soweit gehen, und sich als Wohltäter der Gesellschaft ausgeben und feiern lassen.

Und in diesem Zusammenhang taucht der Name „Sackler“ auf.

Darf ich vorstellen: Die Familie Sackler

Wie haben es die modernen Drogenbarone geschafft, sich und ihre Produkte gesellschaftsfähig werden zu lassen? Und Sie werden gleich feststellen, dass der Begriff „Drogenbaron“ eine neue Definition braucht.

Das Erfolgsrezept ist relativ einfach: Anstatt Bomben und Pistolen benutzen Pablos Nachfolger die Medien. In diesen bewerben sie ihre Produkte mit falschen Angaben und Versprechungen. Wenn nötig, werden Schmiergelder gezahlt, um Einschränkungen zu verhindern und Zulassungen zu erleichtern. So zahlte Arthur Sackler, einer der Begründer von Purdue Pharma, 1959 fast 300.000 USD an einen gewissen Henry Welch, dem damaligen Chef der Abteilung für Antibiotika in der FDA, damit dieser ihm half, einige seiner Medikamente im Markt durchzusetzen.

Im Jahr 1995, und jetzt im Zusammenhang mit der Opioid-Welle, wurde der FDA Prüfer, Dr. Curtis Wright, von der Sackler Familie „motiviert“ , bei der Zulassung von OxyContin (Oxycodon) dem Beipackzettel die Bemerkung zuzufügen, dass dieses Präparat signifikant sicherer sei als vergleichbare Schmerzmittel. Kurz danach kündigte der Prüfer bei der FDA und tauchte zwei Jahre später als Angestellter bei Purdue wieder auf.

Im Jahr 2015 ging die FDA dann soweit, das Purdue-Produkt als retardierte Form sogar für Kinder ab elf Jahren zuzulassen (FDA approves OxyContin for children 11 and older | AAP Gateway). Angesichts der seit Jahren ansteigenden Zahlen an Drogentoten aufgrund von verschreibungspflichtigen Opioiden ist die Entscheidung der FDA, jetzt auch noch Kinder mit ins Drogenboot zu holen, kaum nachvollziehbar. Es zeigt aber, wie effektiv die Drogenbarone heute ihren Markt verteidigen und ausweiten, ungeachtet der sich daraus ergebenen Konsequenzen.

Und Motivation zu solchen heroischen Taten haben diese Leute allemal. Die Sacklers, die Purdue Pharma als Familienunternehmen besitzen, haben sich mit der Zulassung von OxyContin im Jahr 1995 ins Reich der Milliardäre katapultiert. Im Jahr 2015 wurden sie zu den Top 20 Milliardären weltweit gelistet.

Wie bereits angedeutet sind Schmerzmittel vom Typ Oxycodon die Einstiegsdroge für eine Heroinabhängigkeit, beziehungsweise „können es sein“. Solche geschäftsschädigenden Äußerungen stammen nicht von mir, sondern von der bereits zitierten amerikanischen Gesundheitsbehörde NIH (DrugFacts: Heroin | National Institute on Drug Abuse (NIDA)).

Der Missbrauch von Schmerzmitteln per se führt nicht notwendigerweise zum Heroinkonsum und dann in die Abhängigkeit. Der Missbrauch von verschreibungspflichtigen Opioiden ist dagegen fast eine Garantie für diese Konsequenz. Rund 80 Prozent der Heroinabhängigen hat mit Schmerzmitteln wie Oxycodon begonnen. Kein Wunder also, wenn die Opferzahlen ganz ohne Pablo in die Höhe schnellen, denn mit Oxycodon hat die amerikanische Gesellschaft eine legale Einstiegsdroge, bei der die Schulmedizin bereitwillig und vor allem „evidenzbasiert“ Hilfestellung leistet, neue Patienten zu schaffen und alte Patienten an sich zu binden. Pablo würde sich im Grab herum drehen, wenn er wüsste, welches Potenzial er übersehen hat.

Schade, dass man diesen „Schmutz“ nicht den Naturheilkundlern und Heilpraktikern anlasten kann!

An dieser Stelle würde ich gerne die Diskussion um die Gefährlichkeit von Naturheilkunde, Homöopathie und Pflanzenheilkunde wieder aufnehmen – oder die angeblich „gefährlichen Heilpilze„. Klar: gefährlich für die „big“ Pharmaindustrie, weil die Heilpilze nämlich eine überzeugende Wirkunghaben!

Auch schade, dass man diesen Pharma-Dreck (mit den ganzen Toten) nicht den Naturheilkundlern und Heilpraktikern anlasten kann. Und wenn sich mal wieder eine „Expertengruppe“ aus Medizinern berufen fühlt eine ganze Berufsgruppe wie die Heilpraktiker zu diskreditieren und gleich deren komplette Abschaffung fordert, dann findet so etwas immer ein großes Medienecho. Und die Pharmaskandale? Also bitte! Man will es sich doch nicht mit seinen Anzeigenkunden verscherzen!

Aber lassen wir das lieber. Dann doch lieber beim nächsten grippalen Infekt eine ordentliche Portion Oxycodon. Das beseitigt zwar nicht den Infekt, aber nach ein paar Tabletten Oxycondom… ähh -codon merkt man ihn nicht mehr so deutlich. Wenn das keine evidenzblasierte….  — ich schreibe mal lieber nicht weiter…

Zurück zur evidenzbasierten Wirtschaftspolitik der modernen Drogendealer.

Indem Purdue gezielte Falschinformationen über ihr Produkt und dessen Suchtpotenzial an die Ärzteschaft ausgeteilt hat (über Werbung, über TV-Spots, über ein Heer von Pharmareferenten, über gekaufte „Mietmäuler“etc.), hat sich der Umsatz von Oxycodon von 48 Millionen USD im Jahr 1996 auf 1,5 Milliarden im Jahr 2002 vervielfacht.

Dies ist umso bemerkenswerter, da es sich bei der Substanz nicht um eine Eigenentwicklung der Firma Purdue handelt, sondern um eine frei verfügbare Substanz. Purdue hat es einfach verstanden, eine gefährliche Substanz, die von den Gesundheitsbehörden mit Restriktionen belegt ist, mithilfe der Schulmedizin und unter dem Vorwand von medizinischen Leistungen gesellschaftsfähig zu machen.

Das wichtigste Instrument hierbei sind und waren die eigenen Pharmareferenten, die von der Firma für gute Verkaufszahlen dementsprechend fürstlich belohnt wurden. In eigens durchgeführten Verkaufsseminaren wurden sie auf Einwände von Ärzten vorbereitet, die sich vor allem auf das Sucht- und Abhängigkeitspotenzial des Präparats bezogen. Hier gab es ja den Beipackzettel, wo die FDA bestätigt, dass Oxycodon viel sicherer ist als andere Schmerzmittel.

Und es gibt von der Firma zusammen geschusterte Studien von „Mietmäulern“, die das „beweisen“ etc. Zum schlechten Schluss kommt man in der Firma zum schlechten Schluss, dass weniger als ein Prozent der Schmerzpatienten unter Oxycodon eine Heroinabhängigkeit entwickeln. Dieses freche Ergebnis des Pharmamarketings steht im eindeutigen Gegensatz zu den 80 Prozent der Heroinabhängigen, die mit Oxycodon und ähnlichen Präparaten ihre Abhängigkeit eingeleitet hatten.

Ein direkter Vergleich der Zahlen von Schmerzpatienten (ohne Krebspatienten) und Schmerztabletten auf Opioid-Basis zeigt eine Prävalenz von 26 Prozent für Abhängigkeitsentwicklungen und einen von 550 Todesfällen unter Opioid-Therapie in den ersten 2,5 Jahren nach Ersteinstellung (Reducing the Risks of Relief — The CDC Opioid-Prescribing Guideline — NEJM).

Purdue vom Dach geholt

Nicht nur Pablo Escobar hat seine gewalttätigen Spielchen so weit getrieben, dass er seine Karriere durch Gewalt auf einen Dach beenden musste. Auch Purdue wurde im Jahr 2007 (fast) „vom Dach geholt“.

Hier war es nicht rohe Gewalt, sondern die Gewalt einer Strafzahlung von 634 Millionen USD, die die Firma zu leisten hatte, da man ihr nachweisen konnte, Oxycodon in betrügerischer Absicht beworben und in den Markt gebracht zu haben. Während Pablo bei seinem unfreiwilligen Spaziergang auf dem Dach sein Leben verlor, verlor Purdue gerade einmal zehn Prozent der Profite vom Oxycodon-Verkauf während der vier Verhandlungsjahre (Purdue Pharma settle with Feds over painkiller marketing).

Und heute, zehn Jahre später, hat sich nichts verändert. Im Gegenteil!

Die Umsätze und die Opfer nehmen zu, wie die Statistik belegt. Während Heroin verboten ist, werden Opioide als wesentlich unbedenklicher beworben und betrachtet, denn es sind ja die Schulmediziner, die diese Opioide verschreiben. Und die müssen es ja wissen, denn die haben ja studiert.

Ich würde an dieser Stelle gerne noch einmal die Gefährlichkeit der Homöopathie ins Visier nehmen und … laut Statistiken von Edzard Ernst … oder doch nicht? Vielleicht ein andermal. Nämlich spätestens dann, wenn bewiesen ist, dass Homöopathie ein extrem hohes Abhängigkeitspotenzial hat und Oxycodon nur Gutes tut. Es ginge mit dem Teufel zu, wenn man das nicht so hingebogen bekäme, oder?

Und jetzt kommt der geniale Unterschied zu Pablo: Während dieser persönlich zur Verantwortung gezogen wurde, wurde von der Familie Sackler als Purdue-Besitzer niemand persönlich angeklagt und zur Verantwortung gezogen. Natürlich hatte niemand von denen mit Bomben geschmissen. Aber wie es aussieht ist die Produktion von Opfern und Toten durch geschäftliche Aktivitäten von einer Strafverfolgung ausgenommen.

Bislang gibt es nur äußerst seltene Ausnahmefälle, wo Eigner oder Manager von Pharma-Unternehmen persönlich gerichtlich verfolgt und verurteilt wurden. Das Ganze hat also System und ist alles andere als eine Ausnahme. Auch hier hätte Pablo viel lernen können.

Der Heiligenschein der Pharmaindustrie

„Tue Gutes und sprich darüber“ ist eine Devise, die in der Pharmaindustrie weit verbreitet ist. Nach dieser Devise handeln und handelten auch die Sacklers. Die Liste an humanitären Projekten und philanthropen Unternehmungen ist nahezu endlos und immer mit dem Namen „Sackler“ gekennzeichnet. Ein sehr eindrucksvoller Artikel (der noch länger ist als mein längster Beitrag) beschreibt ausführlich den Werdegang von Familie und Firma und deren Verstrickung in die heute existierende Opioid-Krise (The Family That Built an Empire of Pain | The New Yorker).

Bezeichnend ist hier, dass die Familie Sackler einen der Mafia ähnlichen Schweigekult an den Tag legt: Keine öffentlichen Aussagen über die Herkunft des Familienvermögens. Denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kommen ein Großteil der 14 Milliarden USD Vermögen aus den Verkäufen von Oxycodon als einzigem Blockbuster Präparat der Firma Purdue.

Gleichfalls hat es die Familie verstanden, ihren Familiennamen mit dem Namen der Firma nicht öffentlich in Verbindung zu bringen. Nur Insider wussten bisher, was diese beiden Namen miteinander zu tun haben. Während andere Millionäre und Milliardäre, wie die Fords, Hewlett, Packards, Johnsons etc. mit stolz ihren Namen auf ihre Produkte heften, haben die Sacklers in nahezu schamhafter Weise eine Verbindung ihres Namens mit ihrem Produkt zu vermeiden gewusst. Stattdessen gibt es das moralische Ablenkungsmanöver durch Philanthropie und Gönnertum, das perfekte Feigenblatt für evidenzbasiert dreckige Machenschaften. Aber die USA ist stolz auf Hollywood. Und Schein zählt mehr als Sein, so auch hier.

Der amerikanische Journalist Christopher Glazek „würdigt“ die Familie Sackler so:

Die Familienoberhäupter haben in der modernen Ära drei Marketing-Triumphe durchziehen können: Der Erste war der Verkauf von Oxycodon; der Zweite das Berühmtmachen des Namens Sackler; und der Dritte ist die Sicherstellung, dass für die Öffentlichkeit das Erste und das Zweite nichts miteinander zu tun haben.

Diese Doppelmoral der Familie Sackler bildet den fruchtbaren Boden für täglich über 140 Todesopfer von Oxycodon. Ein Vergleich mit den Todesopfern vom 11. September stellt sich dann so dar: Das, was der 11. September in einem Tag an Todesopfern produzierte, produziert Oxycodon in drei Wochen. Es wäre doch gelacht, wenn die Familie Sackler nicht diese Bilanz auf zwei oder nur eine Woche herunterschrauben könnte! Jedenfalls wäre das mit einem signifikanten Umsatzzuwachs verbunden. Und das ist es doch, worauf es ankommt!

Kein Wunder also, wenn die Familie ihren Namen mit diesem schmutzigen Geschäft nicht verbunden sehen will, obwohl er es ist, und die Bemühungen zur Reinwaschung anscheinend kein Ende nehmen wollen, verbunden natürlich mit einer als penetrant zu bezeichnenden, wiederholten Namensnennung, um von der wahren Verbindung abzulenken.

Fazit

Drogenmafia und Pharmaindustrie – es gibt da einige Parallelen, die keinesfalls zufällig sind. Der Unterschied ist, dass die Pharmaindustrie nicht legale Substanzen mit Genehmigung der Behörden und Unterstützung der gesamten Schulmedizin und Einverständnis der Öffentlichkeit für teures Geld verscherbeln kann, ohne eine Strafverfolgung befürchten zu müssen. Die Leistung ist hier auch, dass die Toten, die dieses System produziert, und weswegen illegale Drogen verboten sind, unter dieser Prämisse keine so große Rolle mehr zu spielen scheinen.

An dieser Stelle noch einmal die Frage zur Gefährlichkeit von Homöopathie und Naturmedizin … Wo, bitteschön, sind wir heute, dass kaum ein Hahn nach über 200.000 Toten in einem Land (USA) in einem Zeitraum von 13 Jahren mehr kräht, aber sich selbst ernannte geniale Kleingeister darüber aufregen, dass die Alternativmedizin potentiell gefährlich ist. Wo sind hier die 200.000 Toten in 13 Jahren Homöopathie???

Das erinnert mich an die Sacklers, die über ihre „guten Taten“ und das sie umgebende Palaver von der gefährlichen Realität ihres Tuns ablenken wollen. So lenkt die Schulmedizin mit ihrem dummen Geschwätz über die Gefährlichkeit von Homöopathie und Naturmedizin, die es evidenzbasiert nicht gibt, auch nur von ihrer eigenen Gefährlichkeit ab, wofür der nahezu vorbehaltlose Einsatz von Oxycodon durch die Schulmedizin einer von vielen evidenzbasierten Beweisen ist (Die besten Medikamente zum Krankwerden?).

Fazit vom Fazit: Wenn ihr in den „Medizinbetrieb“ geratet, dann müsst ihr verdammt gesund sein, um da wieder heil rauszukommen!

 

 

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