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Zucker – der süße Kassenschlager

von René Graeber

Ist Zucker wichtig für unseren Organismus? Wer hier „nein“ sagt, der hat wohl damals im Biologieunterricht nicht aufgepasst. Denn ohne Zucker funktioniert unser Körper nicht, an vorderster Front das Gehirn. Und genau deshalb brauchen wir die segensreichen Zuckerhersteller (die mit dem weißen Haushaltszucker & Co.), die unseren Organismus in Schwung halten. Oder?

Damit wir die Segnungen der Zuckerindustrie auch ordentlich zu schätzen wissen, haben die Zuckerhersteller inzwischen auch das Internet entdeckt und eine ganz, ganz süße Webseite erstellt: mitzucker.de. Dort erfahren wir so manches Neue über die segensreichen Wirkungen des Zuckers – alles Sachen, die ich noch gar nicht wusste!

Zu aller erst einmal, dass „ein Fußballfeld voller Zuckerrüben Sauerstoff für 60 Menschen produziert“. Da sage ich nur: Toll! Dann sollten wir bald anfangen, diesen nutzlosen Wald in unserem Land zu fällen und durch Zuckerrübenfelder zu ersetzen (um Gottes willen nicht auch die Fußballfelder, bitte!). Denn nur Zuckerrüben sind Sauerstoffproduzenten, Bäume können so etwas wohl nicht, oder doch?

Zumindest wollen die Zuckermacher auf der weiterführenden Seite zu diesem Thema wissen wollen, dass Bäume nur 17 Menschen mit Sauerstoff versorgen (mitzucker.de/fussballfeld-voller-zuckerrueben-produziert-sauerstoff-60-menschen). Man schaue sich das einmal an: Eine eigene Seite nur für diesen Hinweis? Für die hier aufgestellte Behauptung sparen sich die Zuckermacher aber jedwede Quellenangabe. Denn der Leser soll glauben und nicht wissen und nachvollziehen können. Ja ich weiß, ich belege auch nicht alles mit Quellen. Aber ich bin auch kein Verband und lasse meine Erfahrung und Meinung mit in Beiträge einfließen…

Ungläubig wie ich nun mal bin, habe ich mal nach der Sauerstoffkapazität der Bäume geforscht und ob die wirklich so mickerig ausfällt wie die Zuckerbarone es gewusst haben wollen. Eine Quelle hat dann nachvollziehbar vorgerechnet: Unter Wieviele Bäume braucht ein Menschkamen die „Scouts“ zu dem Ergebnis, dass eine einzige 80 Jahre alte Rotbuche 1200 Liter Sauerstoff pro Stunde produziert. Wie lange muss die vereinsamte Rotbuche dann produzieren, um auf 15 Millionen Liter zu kommen, die vom Fußballfeld voller Zuckerrüben ausgehen? Antwort: 12.500 Stunden oder 520 Tage = 1 Jahr und 5 Monaten entsprechend. Jeder kann sich vorstellen, dass eine Rotbuche nicht ein ganzes Fußballfeld für sich beansprucht. Pflanzen wir also ein Fußballfeld voll mit Rotbuchen, dann passen wie viele Bäume auf diese 90 mal 120 Meter Fläche? Bei nur 2 Bäumen hätten wir schon ein Ergebnis von 9 Monaten Produktion, um 15 Millionen Liter zu erzeugen.

Der Gedankenfehler in dieser Rechnung liegt natürlich in der Tatsache, dass Bäume in unseren Breiten nicht 12 Monate im Jahr gleich viel Sauerstoff produzieren können. In der blattlosen Zeit im späten Herbst bis zum Frühjahr kommt die Produktion fast vollständig zum Erliegen. Aber unsere Zuckerrüben blühen auch nicht 12 Monate im Jahr und werden nach Erreichen der Reife gnadenlos geerntet. Oder produzieren die Dinger dann immer noch Sauerstoff in der Zuckerfabrik? Manchmal fasse ich es einfach nicht, was für ein Unsinn publiziert wird…

Aber nochmal zurück zur Rotbuche: Eine realistische Berechnung für die Rotbuche bietet die oben genannte Webseite an, und geht von einer jährlichen Produktion aus, die 2,5 Menschen ein Jahr mit Sauerstoff versorgt, Ausfallzeiten mit berücksichtigt. Selbst unter dieser Prämisse würden 24 Rotbuchen ausreichen, um 60 Menschen im Jahr mit Sauerstoff zu versorgen. Frage: Passen 24 Rotbuchen auf ein Fußballfeld? Antwort: Nein, denn wer kann dann da noch Fußball spielen? Damit wäre bewiesen, dass Zuckerrüben die eigentlichen Sauerstofflieferanten in der Welt sind. Amen!

Und wer Sauerstoff liefert, der liefert auch Energie: Zucker – der natürliche Fitmacher (mitzucker.de/zucker-der-natuerliche-fitmacher). Auch hier werden wieder Fakten geliefert, die man glauben muss. Denn die mitgelieferten Quellen sind ein Sportwissenschaftler, ein Triathlon-Europameister und der „Stern“. Die Qualität der Argumente für das eigene Produkt sind ähnlich lächerlich und unwissenschaftlich wie das Beispiel mit der Sauerstoffproduktion. Ich spare mir weitere Details dazu und fahre lieber fort, nämlich in:

Die süße Welt der Zuckermacher

Wenn Sie (als geneigter Leser) jetzt glauben, dass ich mal wieder alleine am Baum rüttele und schüttele, dann werden Sie gleich sehen, dass das glücklicherweise nicht der Fall ist. Wie verheerend Zucker ist, das habe ich bereits in einer ganzen Reihe von Beiträgen versucht zu belegen:

Wer mag mich denn da in meiner unvorteilhaften „Meinung“ zum Zucker unterstützen?

Sehr wahrscheinlich mal wieder so eine alternativ angehauchte Webseite oder Alternativmediziner…

Diesmal jedoch ist die Überraschung auch auf meiner Seite: Die Süddeutsche Zeitung mit ihrer Online-Ausgabe – und das gleich mehrere Male.

Der erste (und der zweite) Beitrag ist/sind leider auf der Webseite der SZ nicht mehr zu finden, dafür aber hier: Die Macht der Zuckerlobby. Und hier erfahren wir nicht so sehr etwas über die schädlichen Wirkungen des Zuckers, sondern etwas über die schädigende Politik, die die Zuckerindustrie betreibt, um ein so gesundes und wohltuendes Produkt vor der Verbannung zu retten beziehungsweise vermehrt auf unseren Tisch zu bugsieren. Über die Reaktionen aus dem Lager der Wissenschaftler handelt der zweite Artikel aus der SZ (“Zucker ist Gift” – WHO erarbeitet neue Leitlinien). Hier treffen wir auf einen alten Bekannten aus meinen oben zitierten Beiträgen: Dr. Robert Lustig, was für mich auch mehr als überraschend ist, dass dieser Mann hier zitiert wird. Wir erfahren auch hier die Einschätzung, dass Zucker Krebs fördert, mit verantwortlich ist für alle „Zivilisationskrankheiten“ und Alzheimer, und dass Zucker Gift ist. Wir erfahren, dass es einen statistischen Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Diabetes gibt und dass 80 Prozent der amerikanischen Lebensmittel mit Zucker versehen (verseucht?) sind.

Doch nun zurück zum ersten Artikel der SZ: Wie es aussieht, sind die wissenschaftlichen Belege für eine krankmachende Wirkung des Zuckers so gewaltig, dass sich auch die sonst eher schreckhafte WHO dieser Sichtweise anschloss. Vor rund 10 Jahren entschloss sie sich zu einer Gesundheitskampagne gegen hohen Zuckerkonsum, was die Bush-Regierung zur sofortigen Gegenreaktion veranlasste. Die Zuckerindustrie machte mobil und konnte die Quadratur des Kreises beweisen: Zucker ist wahnsinnig gesund und ohne ihn geht die Welt in sich zu Grunde. Es gab sogar ein internes Papier seitens der Zuckerindustrie, das einen „WHO War Plan“ beschrieb, also einen Kriegszug gegen die WHO mit ihren nicht so süßen Einstellungen zum Zucker und seinen Auswirkungen. Und weil die WHO sich unbeirrt zeigte, drohte die amerikanische Regierung vollkommen freiheitlich und demokratisch, die Beitragszahlungen von 400 Millionen Dollar zu streichen. Die WHO blieb standhaft und senkte die empfohlene tägliche Zuckermenge von 25 auf 10 Prozent des täglichen Kalorienbedarfs, was ein Schritt in die richtige Richtung ist, aber sich in der Folge auch nur als Tropfen auf dem heißen Stein erwiesen hat.

Um diese Empfehlungen beim Kunden vergessen zu machen, verpulvern die Lebensmittelhersteller Milliardenbeträge in Werbung und Marketing: 3 Milliarden Euro jährlich nur von der deutschen Nahrungsmittelindustrie, 25 Prozent des Betrags nur für Süßwaren und Schokolade. Denn Zucker ist billig und spricht den Geschmack der Verbraucher an. Coca-Cola, Nestlé und so weiter zeigen bei Sportveranstaltungen und anderen Gelegenheiten, dass ihre zuckersüßen Produkte nur der Gesundheit dienen können – Marketing als Ersatz für wissenschaftliche Beweise. Kinder werden in Schulen schon mit einschlägiger Werbung angesprochen. Denn Kinder sind die Verdiener und Kunden von morgen. Und auch heute haben sie oft einen Einfluss auf die Einkaufsgewohnheiten der Eltern.

Auf der anderen Seite wäre es ein nicht unwichtiger Schritt, wenn es keinen versteckten Zucker in den Nahrungsmitteln gäbe, oder?

Versteckter Zucker?

Was ist denn das?

Ganz einfach: Es gibt viele Produkte, in denen man keinen Zucker vermuten würde, die aber nichtsdestoweniger Zucker enthalten. Der SZ-Artikel sagt aus, dass sogar saure Gurken und Schinken Zucker enthalten, um so beim Kunden besser anzukommen. Wenn man den Zucker nicht aus den Produkten nehmen will, dann sollte man doch dessen Gehalt aufs Etikett drucken. Da kann sich jeder entscheiden, ob er das Gift konsumieren und noch dafür zahlen will oder nicht.

Die Ampelkennzeichnung war ein gutes Konzept dafür, da hier nicht nur abstrakte Zahlen auf das Etikett gedruckt wurden, sondern über Rot, Gelb und Grün eine Beurteilung des Inhalts vorgenommen wurde. War zu viel Zucker enthalten, dann leuchte die Ampel rot. Worauf diese Beurteilung dann letztendlich beruht, das ist wieder eine andere Frage. Aber die Zucker- und Nahrungsmittelindustrie hat sich erst gar nicht darauf eingelassen, sondern erfolgreich die Ampelkennzeichnung verhindert. Die Angst der Giftmischer vor den drei Farben war so groß, dass sie für die erfolgreiche Verhinderung eine Milliarde Euro hat springen lassen. Jetzt haben wir aber dennoch eine Kennzeichnung, mit der man aber kaum etwas anfangen kann und ermüdend unübersichtlich ist. Ach ja, ich vergaß – wir sollen nicht wissen, sondern glauben und dann kaufen. Mitdenken ist nur etwas für Leute, die morgen auf dem Scheiterhaufen landen.

Und nach meiner Meinung absolut untypisch sind die folgenden Sätze für die SZ:

Die Abwehrmechanismen der Industrie gleichen sich über die Branchen hinweg. Das stellt auch Eric Wesselius von der lobbykritischen Organisation Corporate Europe Observatory fest. „Negative Effekte werden geleugnet, kritische Studien als unwissenschaftlich abgetan“, sagt er. Es sei immer das gleiche Muster. Egal, ob es nun um Zucker, Gentechnik oder Tabak gehe.

Respekt vor einer solch klaren Aussage, die ich nur unterschreiben kann.

Die “Süddeutsche” im Zuckerrausch

Die beiden genannte Artikel erschienen 2014. Zwei weitere Artikel rund um das Thema Zucker gab es noch im selben Jahr. Im Februar 2014 berichtete die SZ, wie die Zuckerbarone sich zusammentaten und Preisabsprachen durchführten, damit ihr gesundheitlich so wertvolles Produkt einen entsprechend hohen Preis erzielte (Zucker-Kartell büßt mit 280 Millionen Euro). 280 Millionen Strafe, eine stattliche Summe für mich und Otto Normalverbraucher. Endlich wird der heilige Zorn (und das noch heiligere Verlangen) nach einer ordentlichen Strafe zufriedengestellt. Richtig! Und die Beschuldigten sind mit den 280 Millionen auch zufrieden, wetten das…? Warum?

Durch die Absprachen konnten die Produzenten höhere Preise erzielen, argumentiert die Behörde. Zucker kostet etwa 60 Cent pro Kilo, bei jedem einzelnen Paket geht es also um kleine Beträge. Weil aber jeder Deutsche im Schnitt 36 Kilo Zucker verbraucht, summiert sich der Jahresverbrauch auf knapp drei Millionen Tonnen. Teilweise sei es durch die Kartellrechtsverstöße nach Aussagen von Industriekunden zu erheblichen Preissteigerungen und sogar zu Versorgungsengpässen gekommen, sagt das Kartellamt.

Wenn ein Kilo 0,60 Euro kostet, dann kosten 3 Millionen Tonnen 1,8 Milliarden Euro. 280 Millionen entsprechen 15,5 Prozent des gesamten Umsatzes – nicht gerade die Portokasse, aber auch kein allzu empfindlicher Verlust, wenn man diese Berechnung für nur ein Jahr gelten lässt. Aber der SZ-Artikel spricht von einem „jahrelangen sich Absprechen“ der Zuckerbarone.

Der zweite Artikel hieß „Wie bei der Tabakindustrie“. Im vorigen Artikel kam es schon zur Sprache, dass die Verteidigungsmechanismen überall die gleichen sind, in der Gentechnik, der Tabakindustrie und anderswo: Unübersichtliche Kennzeichnungen, verdrehte Wissenschaft, Unterstellungen bezüglich des Nutzens des eigenen Produkts und so weiter. Wer Produkte der Lebensmittelindustrie vertilgt, der hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Menge an Zucker auf dem Löffel, ohne es zu wissen.

“Dokumente der Zuckerindustrie belegen Einfluss auf die Politik” heißt SZ-Artikel des Jahres 2015 zum Thema Zucker und seinen Machern. Auch dieser Artikel macht da weiter, wo die anderen des letzten Jahres aufgehört hatten.

Diesmal zeigt der Beitrag auf, wie die amerikanische Industrie massiv Einfluss nimmt, die Folgen des Gifts Zucker auf die Gesundheit zu verharmlosen. Karies war demzufolge keine Folge eines hohen Zuckerkonsums. Darum sollte es auch keine Empfehlungen geben, Karies durch einen drastisch reduzierten Zuckerkonsum anzugehen. Die Spaßvögel von Coca-Cola und Co. schlugen ein Ablenkungsmanöver vor: Man sollte nach Enzymen forschen, die Zahnbeläge lösen und nach Impfungen gegen Karies. Allerdings sollte aus diesen Vorschlägen nichts werden, vielleicht auch, weil sie so herrlich am Ziel vorbeischossen.

Das damals in den Staaten laufende „Nationale Karies-Programm“, das unter der Federführung des NIDR (National Institute of Dental Research) durchgeführt wurde, wurde so manipuliert, dass Programme und Maßnahmen aus Vorschlägen der Zuckerindustrie entnommen wurden. Grund für diese Manipulation war die Tatsache, dass fast alle Experten des NIDR im Beirat der Zuckerindustrie saßen. Wichtigste „wissenschaftliche Erkenntnis“ des NIDR damals war, dass „der Zuckerkonsum könne “zwar theoretisch eingeschränkt” werden, dies sei aber praktisch nicht machbar.“ Wie schön, dass es nicht machbar ist, ein Gift einzuschränken oder zu vermeiden, wenn so viel Geld auf dem Spiel steht. Und die Damen und Herren Schulmediziner haben ja nach jahrelanger Versorgung mit dem Gift in späteren Jahren dann auch neue Kunden mit Diabetes, Krebs, Alzheimer, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und noch ein paar mehr. Aus wirtschaftlicher Sicht gesehen ein profitables und nachhaltiges Model. Ich bete (immer noch) inständig, dass dem NICHT so ist…

Und auch hier wieder die alte Geschichte von Verflechtungen von Industrie und Politik, wenn es darum geht, egal ob gesundheitlich schädigend oder nicht, ein Milliardengeschäft NICHT einknicken zu lassen. Ob Tabakindustrie oder Zuckerbarone, die Einflussnahme massivster Machart auf die Politik ist bei beiden vergleichbar. Ähnlich wie die toxische Wirkung der beiden Produkte vergleichbar ist – mit den notwendigen Abstrichen natürlich.

Fazit

Kurz und bündig – der SZ-Artikel zitiert mit voller Wucht Stanton Glantz, der in den 1990er Jahre beteiligt war, die Verflechtungen von Tabakindustrie und Politik zu enthüllen:

Es geht uns alle an und wir müssen einsehen, dass die Zuckerindustrie – genauso wie die Tabakindustrie – Profit über Gesundheit stellt.

Muss ich noch mehr sagen?

 

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Datum: Freitag, 5. Juni 2015 21:13
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