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Der kranke teure Patient – Oder: Wie wir veräppelt werden…

von René Graeber

 

Alle reden vom Sparen. Eigentlich schon immer. Und wenn in der Pharmaindustrie und „Schulmedizin“ vom Sparen geredet wird, dann kann man fast sicher sein, dass große Ausgaben vor der Tür stehen.

Aber für wen? Wenn alle Stricke reißen, dann sicherlich für die Patienten…

Und so geht das Spiel los: Jedes Jahr kommen um die 30 neue Medikamente auf den Markt. Man sollte hier meinen, dass aufgrund der Menge und dem marktwirtschaftlichen Gesetz von Angebot und Nachfrage die Preise für Medikamente fallen sollten. In der Realität ist aber das genaue Gegenteil der Fall.

Die Preise steigen, steigen, und steigen. Jahrestherapiekosten für einen Krebspatienten in der Onkologie können da schon mal 100.000 € und mehr erreichen. Von daher braucht man kein Prophet zu sein, um voraussagen zu können, dass das Gesundheits- und Krankenversicherungssystem früher oder später kollabieren wird…

 

 
Ein Beispiel ist ein relativ neu zugelassenes Medikament zur Behandlung von Hepatitis C: Sofosbuvir. Die Substanz wurde 2014 in den USA zugelassen. Sie gilt heute schon als unentbehrliches Arzneimittel in der Liste der Weltgesundheitsorganisation. Diese Unendbehrlichkeit kostet den Patienten bzw. seiner Krankenkasse fast 44.000 € für eine zwölfwöchige Therapie. In Deutschland gibt es rund 300.000 Patienten mit Hepatitis C. Der daraus resultierende Betrag ergibt eine Summe, die keine Krankenkasse aufbringen kann.

 

Begründung für die hohen Preise seitens der Hersteller ist natürlich die Behauptung, dass dieses Medikament eine Heilung von Hepatitis Csicherstellt.

Ich möchte natürlich nicht behaupten, dass dies nicht der Wahrheit entspricht. Aber bei solch hohen Preisen kann man doch als Kunde, sprich Patient, eine Studienlage erwarten, wo durch prospektive, randomisierte, doppelblinde, Placebo kontrollierte Studien die Sicherheit und Effektivität der Substanz nachgewiesen worden ist.

Die Studien, die 2016 zu dieser Substanz durchgeführt worden sind, sind entweder offene Studien, Kurzzeitstudien, oder Studien mit geringer Teilnehmerzahl. Die neueste Studie vom Dezember dieses Jahres (Efficacy and Safety of DAA-based antiviral therapies for HCV patients with stage 4-5 chronic kidney disease: A Meta-analysis.) ist eine Metaanalyse, die elf Studien umfasst mit insgesamt 264 Teilnehmern. Das sind im Durchschnitt 24 Teilnehmer pro Studie. Selbstredend kommt diese Metaanalyse zu positiven Ergebnissen, ungeachtet der Tatsache, dass die Teilnehmerzahl alles andere als aussagekräftig ist.

Wie es aussieht, hat die Pharmaindustrie jetzt ein neues Geschäftsmodell: mangelhafte und undurchsichtige Dokumentationen, wo die Hand voll von Teilnehmern gerade einmal eine Alibifunktion einnimmt. Dafür, dass man bei der Dokumentation hat sparen können, kann man die Ersparnis beim Preis aufschlagen.

Alle diese Studien behaupten zudem, dass die Substanz gut verträglich sei. Wenn man sich aber einmal die Webseite von Drugs.com anschaut, dann sieht man schnell, dass man aus dem Legoland der schulmedizinischen Wissenschaft zurückgekehrt sein muss. Denn diese Substanz, die angeblich so gut verträglich ist, zeigt hier eine Latte an Nebenwirkungen, die für mein Dafürhalten nichts mit Verträglichkeit zu tun haben.

Zum Beispiel: 36 % Kopfschmerzen und Schwindel, bis zu 10 % Konzentrationsstörungen, Migräne und eingeschränktes Erinnerungsvermögen. 34 % Übelkeit 12 % Durchfall, 27 % Juckreiz, 18 % Hautausschlag, bis zu 10 % Haarausfall, 25 % Schlafstörungen, 13 % Gereiztheit, bis zu 10 % Depressionen und Unruhezustände. Die Liste geht weiter mit hämatologischen, kardiovaskulären, metabolischen usw. Nebenwirkungen, die alles andere als Verträglichkeit dokumentieren.

Das Problem der steigenden Preise für Medikamente liegt nach meinem Dafürhalten in der Tatsache begründet, dass Ärzte und Patienten immer noch an das Dogma der Schulmedizin glauben, dass nur chemische Substanzen in der Lage sind, Krankheiten zu heilen. Wenn dieses Dogma kategorisch alternative Heilmethoden ignoriert oder negiert, dann sind Schulmedizin und Pharmaindustrie die alleinigen Besitzer der Lizenz zum Heilen und haben somit das Monopol dafür. Und wer das Monopol hat, der darf auch die Preise bestimmen.

Darum bemüht man sich auch in der Ärzteschaft um die Quadratur des Kreises, indem man die Monopolstellung für sich zementieren möchte, ohne die daraus folgenden Konsequenzen zu akzeptieren.Und einer dieser Konsequenzen ist, dass die gesetzlichen Krankenversicherungen machtlos sind. Und wie es aussieht wird sich diese Machtlosigkeit auf die verehrte Kundschaft (die Versicherten) niederschlagen. Früher oder später werden die Versicherungsbeiträge wieder einmal erhöht werden.

Gibt es Medikamente ohne nachweisbaren Nutzen?

So etwas ist in der evidenzbasierten Schulmedizin so gut wie unmöglich, oder? Ist es nicht so, dass dies im Prinzip nur für die alternative Medizin gilt? Umso verwunderlicher ist es, wenn wir zum Beispiel bei DocCheck zu lesen bekommen, dass es anscheinend neue Medikamente gibt, wo ein nachweisbarer Nutzen fehlt.

Ein Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen bemängelt in diesem Zusammenhang, dass die neuen Medikamente häufig nichts anderes sind als minimale Veränderungen alter Medikamente, sich durch diese spezifischen Veränderungen aber für eine Patentierbarkeit qualifizieren. Und so ein Patent läuft nun mal 20 Jahre, in denen der Hersteller das Monopol auf das entsprechende Präparat hat. So kritisiert der eben erwähnte Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen, dass die nützliche oder positive Wirkung neuer Substanzen oft nicht erwiesen ist. Er sagt weiter: „Teuer ist sie auf jeden Fall, und darin besteht das Hauptanliegen der Pharmaindustrie.“

Die Idee von der „individualisierten und maßgeschneiderten Therapie“ (die schon seit Jahrzehnten in der Naturheilkunde verankert ist), wird dennoch als „nicht evidenzbasiert“ bewertet. Da kann ich fast nur den Eindruck gewinnen, dass man in der Schulmedizin anscheinend Superargumente für eine super teure Therapie hat und sich dabei sehr wohl fühlt…

Der Erfindungsreichtum der Pharmaindustrie, wenn es darum geht, die Preise nach oben zu liften, scheint unerschöpflich zu sein. Nicht umsonst sind weltweit die Kosten für patentgeschützte Arzneimittel zwischen 1996 und 2015 um das Siebenfache gewachsen.

An dieser Stelle kommt natürlich sofort der Einwand seitens der Pharmaindustrie, dass die Forschung mit allen drum und dran fürchterlich teuer ist. In Wahrheit gibt die Pharmaindustrie signifikant mehr Mittel aus für Werbung und Marketing als für Forschung. Und inzwischen gibt es Belege das öffentlich finanzierte Pharmaforschung neue Medikamente generieren kann, wo die Forschungskosten nur ein Zehntel dessen betragen, was die Pharmaindustrie von sich behauptet.

Am Beispiel von Sofosbuvir können wir erkennen, dass die Dokumentation dieser neuen Substanz, und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anderer Substanzen, alles andere als evidenzbasiert zu sein scheint. Denn der goldene Standard klinischer Studien sieht anders aus. In den letzten Jahren ist immer mehr der Trend zu beobachten, dass Studien mit fragwürdigem Design, die man sonst so gerne Substanzen der Alternativmedizin unterstellt, den neuen goldenen Standard schulmedizinischer Forschung auszumachen scheinen. Komplementär dazu scheint auch das Zurückhalten von Studienergebnissen oder die Manipulation von Studiendaten neuer integraler Bestandteil der schulmedizinischen Forschung zu werden. Unter diesen Gesichtspunkten glaube ich, dass wir die Bedeutung des Wortes „evidenzbasiert“ neu definieren müssen.

Über die Quadratur des Kreises

Man könnte auch sagen, wasch mich, aber mach mich nicht nass. Denn laut DocCheck stellen die Experten eine Reihe von Forderungen, wie dieses Problem mit den hohen Preisen zu lösen ist.

Wie?

Durch Offenheit.

Aha.

Wo?

Bei der Preisgestaltung.

Es soll eine Transparenz geben für die Kosten in Forschung und Entwicklung. Und es soll eine Transparenz geben bei den Ergebnissen klinischer Studien. Deutlicher kann man es nicht zum Ausdruck bringen.

Keine Transparenz bei klinischen Studien? Wozu dann noch klinische Studien?

So lässt einer der Experten verlauten: „Lange war es kaum möglich zu erfahren, welchen Nutzen neue Medikamente tatsächlich für die Patienten hatten. Denn wenn etwas neu oder innovativ bedeutet das ja nicht, dass es auch nützlich ist.“ Bei diesen Worten möchte man glatt glauben, dass der Experte von alternativmedizinischen Produkten redet. Aber das ist nicht der Fall.

Interessant auch die Ankündigung dass die Offenlegung von Studiendaten auf europäischer Ebene beschlossen worden ist, ein für mich kaum nachvollziehbarer Beschluss. Denn das ist das mehr oder weniger direkte Eingeständnis, dass in der Schulmedizin Studiendaten Geheimsache sind/waren. Wir haben hier offensichtlich einen weiteren fundamentalen Unterschied zu den Naturwissenschaften, wo der Erkenntnisfortschritt vom Austausch der Ergebnisse der verschiedenen Forschergruppen abhängt. Aber da die schulmedizinische Forschung keine Wissenschaft ist, sondern ein Geschäftsmodell, wo es um viel Geld geht, gibt es natürlich auch die entsprechenden Geschäftsgeheimnisse.

Leider gibt es auch die entsprechenden Konsequenzen für die Patienten, die mit teuren, nebenwirkungsreichen und oft wirkungsarmen Medikamenten leben – oder sterben – müssen.


 

 

René Gräber - www.ReneGraeber.de + Seit 1998 in eigener Naturheilpraxis tätig + Referent für Heilpraktiker-Verbände und Leichtathletik-Verbände + "Heilpraktiker-Experte" für diverse Verlage und Publikationen + Über 15 Jahre Leiter eines Therapiezentrums mit über 40.000 Behandlungen pro Jahr. Sie finden mich unter anderem auch auf Google+ und facebook






 

 

 


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