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Dunkle Materie im Menschen?

Veröffentlicht von: René Gräber

 

Es gibt Philosophen, die behaupten, dass die Welt, die wir sehen wie wir sie sehen, nur ein Traum in einem Traum ist. Also das Reale ist in Wirklichkeit irreal – und das Irreale ist das Reale?

Aus Sicht der Naturwissenschaften ist dieser Gedanke nicht vollkommen von der Hand zu weisen. Ausgerechnet die Naturwissenschaften beschäftigen sich mit Phänomenen, die mit der realen, sichtbaren Welt nichts zu tun haben scheinen. Und das ist die Welt der Dunklen Materie.


 

Was ist so dunkel an Materie?

Der Begriff der Dunklen Materien kommt aus der Astrophysik und Kosmologie. Er beruht auf Beobachtungen von Vorgängen im Universum, die den gängigen Gesetzmäßigkeiten widersprechen. Denn man ist lange davon ausgegangen, dass die physikalischen Gesetze auf der Erde auch im Universum Geltung haben. Und das scheint nicht immer der Fall zu sein. Näheres zur Erklärung von Dunkler Materie unterhttps://de.wikipedia.org/wiki/Dunkle_Materie.

Es scheint also eine Materie zu geben, die unsichtbar ist, aber dennoch Gravitations-Wechselwirkungen im Universum ausübt. Sehen kann man sie nicht, aber man kann ihre Existenz an ihren Auswirkungen festmachen. Wenn man den Ausführungen in Wikipedia folgen möchte, dann besteht unser Universum nur zu knapp 5 Prozent aus sichtbarer Materie. Rund 23 Prozent, also das Vierfache, ist Dunkle Materie und 72 Prozent (jetzt wird es noch unheimlicher) ist Dunkle Energie.

Mit einem Satz: In unserem Bestreben, die Welt/das Universum zu analysieren und evidenzbasiert zu erklären, adressieren wir gerade einmal 5 Prozent von dem, was erklärt werden müsste. Und selbst bei diesen 5 Prozent sind wir noch weit entfernt, alles schlüssig erfassen und erklären zu können.

Aber die Tatsache, dass man diese Materie nicht sehen kann und auch ein Nachweis im Labor noch nicht gelungen ist, hält die Astrophysiker nicht davon ab, ihre Existenz als gegeben zu betrachten. Man weiß heute nicht, woraus sich diese Materie zusammensetzt. Aber ihre Effekte sind nicht von der Hand zu weisen. Oder anders herum: Es gibt Effekte, die sich nicht mit den gängigen physikalischen und astrophysikalischen Gesetzen erklären lassen und die auf die Existenz von einem Etwas hinweisen, das bislang unbekannt und unsichtbar für uns ist. Und dieses Etwas hat man in der Wissenschaft als Dunkle Materie getauft.

Vom Makrokosmos in den Mikrokosmos

Wir kennen in der Medizin Phänomene, wo es sogenannte Spontanheilungen gibt, obwohl der Betroffene von der evidenzbasierten Schulmedizin schon aufgegeben worden ist. Sie sind selten, aber es gibt sie. Die komplette Diskussion um die Wirksamkeit der Homöopathie wird von der Schulmedizin auf ein Dosis-Wirkungs-Prinzip zurechtgestutzt. Alles andere ist halt Placebo. Es ist richtig, dass es einen Zusammenhang zwischen Dosierung von Substanzen und deren Wirkungsstärke gibt. Aber selbst diesem „Erklärungsmodell“ sind Grenzen gesetzt, da eine ins Unendliche steigende Dosierung noch nie eine ins Unendliche steigende Wirkung mit sich gebracht habt. Ab einem bestimmten Punkt gibt es trotz steigender Dosierung keine Zunahme der Wirkung (höchstens eine Zunahme von Nebenwirkungen). Wie kann man sich diesen Sachverhalt erklären, der nicht mit der mathematischen Gleichförmigkeit verläuft, wie die Schulmedizin immer gerne biologischen Systemen unterstellt?

Zu allem Überfluss gibt es jetzt mehr und mehr Hinweise, dass die Zahl unbekannter und unsichtbarer Phänomene im lebenden Organismus größer zu sein scheint als es selbst die Homöopathie erlaubt. In der Tat sind diese Phänomene noch rätselhafter als die vermeintlichen Placebo-Wirkungen der Homöopathie. Sie sind so rätselhaft, dass selbst die Erklärung „ist nur ein Placebo-Effekt“ zu nichts taugt.

Denn es gibt Hinweise, dass die Dunkle Materie nicht nur im Kosmos existiert, sondern auch in lebenden Systemen. Es gibt dazu einen interessanten Beitrag von der Süddeutschen Zeitung: Forscher untersuchen „dunkle Materie“ im Menschen.

Grund für diese Annahme entspricht in etwa dem Grund, den auch die Astrophysiker für die kosmischen Vorgänge äußern: Das, was wir kennen, ist nicht in der Lage, eine Reihe von Vorgängen zu erklären. Und damit meine ich nicht nur die Homöopathie und deren Wirkungen.

Es ist den Biologen schon seit geraumer Zeit klar geworden, dass es etliche Proteine und andere Biomoleküle gibt, die noch gar nicht bekannt sind. Wenn man die Veröffentlichungen in PubMed zum Beispiel anschaut und gezielt nach bestimmten medizinischen Pilzen sucht, dann wird man schnell feststellen, dass es etliche Veröffentlichungen gibt, die neuartige Substanzen in diesen Pilzen entdeckt haben, die zuvor noch nie beschrieben worden waren. Die Substanzen sind in der Regel Derivate von inzwischen gut bekannten Substanzen. Sie haben also einen bekannten „Vetter“. Aber derartige Substanzen müssen dann auf ihre Wirkung untersucht werden. Denn auch wenn man einen bekannten „Vetter“ hat, heißt das nicht, dass die neue Substanz genau die gleichen Eigenschaften besitzt.

Wir haben es hier noch nicht mit „Dunklen Substanzen“ zu tun. Es zeigt einfach, dass wir noch nicht alles wissen und auch im Bereich der sichtbaren Phänomene wesentliche Wissenslücken aufweisen. Neben den hier dargestellten, noch nicht entdeckten Substanzen scheint es Proteine zu geben, die sich nicht mit konventionellen Methoden beschreiben lassen. Sie sind auch nicht unter einem Mikroskop sichtbar zu machen.

Ein Hinweis dafür ist die Tatsache, dass es „sichtbare“ Proteine gibt, die nicht bestimmten Wirkungen zugeordnet werden können. Oder mit anderen Worten: Man weiß, dass es sie gibt. Aber niemand weiß, warum es sie gibt. Proteine können eine Reihe von sehr verschiedenen Wirkungen ausüben. Es gibt hier keine eins-zu-eins Regel, dass dieses Protein eine spezifische Wirkung ausübt und ein anderes Protein eine definierte andere Wirkung. Der Artikel der Süddeutschen zitiert einen Proteomforscher der Technischen Universität München, der ein und dasselbe Protein mit einem Tausendsassa vergleicht: „Das ist vergleichbar mit einem Menschen, der an einem Tag als Fußballer auf dem Bolzplatz steht und am nächsten Geige in einem Orchester spielt.“

Grund für diese Vielfältigkeit liegt in etwas nicht Quantifizierbarem. Es ist die räumliche Anordnung der Proteinstruktur, die die Verschiedenartigkeit von ein und demselben Protein ausmacht. Hier spielen Konzentrationen nicht unbedingt eine Rolle, obwohl es denkbar ist, dass mit steigender Konzentration auch eine Veränderung der räumlichen Struktur einhergehen kann. Diese Veränderung kann auch von anderen Faktoren ausgelöst werden, was eine Veränderung des Verhaltens des gleichen Proteins zur Folge haben kann (gestern Fußballer, heute Geiger).

Während wir für die meisten Proteine wissen, aus welchen Aminosäuren sie aufgebaut sind und welche Gene für diese Zusammensetzung verantwortlich sind, gibt es nur ein weniger als dürftiges Wissen über den Zusammenhang von Struktur und Funktion von Proteinen. Für viele der bekannten Proteine gibt es keine Daten zur 3-D-Struktur.

Alldieweil diese Struktur das entscheidende Steinchen im Puzzle ist, und es zudem noch etliche unbekannte Proteine gibt, haben wir hier einen Komplex, der als „Dunkle Proteine“ bezeichnet wird: Unbekannte Proteine und Proteine mit unbekannter Tertiärstruktur. Und so wie es aussieht, handelt es sich hier nicht um die Ausnahme, sondern um die Regel.

Der Artikel der Süddeutschen schreibt dazu: „Dunkle Proteine und dunkle Abschnitte sind alles andere als Exoten, sondern machen im Gegenteil einen beträchtlichen Anteil im Proteom – der Gesamtheit aller Proteine einer Zelle – von Eukaryoten aus.“

Man vermutet heute, dass rund 50 Prozent des Proteoms aus Dunkler Materie beziehungsweise Dunklen Proteinen besteht. Die Wissenschaftler sind sich jedoch einig, dass diese unbekannten Proteine und ihre unerschließbaren Moleküle so wichtige Funktionen im Organismus ausüben, dass ein Verzicht auf sie mit dem Leben nicht vereinbar wäre.

Zu dieser Auffassung kamen Wissenschaftler aus Australien, Deutschland und Portugal: Unexpected features of the dark proteome. Sie hatten 546 Tausend Proteine aus einer Schweizer Protein-Datenbank untersucht und waren zu dem Ergebnis gekommen, dass 44 bis 54 Prozent der Proteome von Eukaryoten und Viren dunkel sind. Bei den Bakterien und Archaeen („Urbakterien“) sind es nur rund 14 Prozent. Die Autoren beschreiben weiter, dass die Hälfte der Dunklen Proteine eine Aminosäure-Sequenz aufweist, die keiner bekannten Struktur entspricht. Es scheint zwar Interaktionen mit bekannten Proteinen zu geben. Und es gibt Hinweise, dass sie in Zusammenhang stehen mit physiologischen Vorgängen, wie Sekretion, Einfluss auf spezifische Gewebe, endoplasmatisches Retikulum in Zellen, Disulfidbindungen von Molekülen, Proteolyse (Abbau von Proteinen durch Aufbrechen der Tertiärstruktur) und so weiter.

Der Rest ist dann Spekulation. Es gibt eine Reihe von nicht kategorisierbaren Proteinen, die anscheinend funktionslos sind und eher außerhalb der Zellen vorkommen. Dies spricht für eine Funktion als Kommunikationsträger bei der interzellulären Kommunikation. Eine Vermutung, für die der Beweis noch aussteht. Die Wissenschaftler vermuten auch, dass diese Dunklen Proteine bei der Evolution der Spezies eine Rolle gespielt haben könnten. Denn die Dunklen Proteine unterscheiden sich signifikant von Spezies zu Spezies voneinander: Zeig mir deine Dunkle (Protein)-Seite und ich sage dir, ob du eine Maus bist…

Fazit

Das Dunkle Mittelalter ist noch längst nicht vorbei, wenigstens nicht in der Naturwissenschaft und der Astrophysik. Die Masse an nicht begreif- und erklärbaren Phänomenen lässt sich ad hoc zumindest mit der Dunklen Masse, Energie und Proteom beschreiben, wenn auch nicht erklären. Ob hier auch die unerklärlichen Wirkungen der Homöopathie mit hineinpassen, das bleibt abzuwarten. Es liegt zumindest im Bereich der Möglichkeiten. Fest steht dafür aber umso sicherer, dass das aktuelle Wissen der Schulmedizin und der sich teilweise daraus ergebene Therapiewahnsinn die Fragestellung und die Relevanz der Dunklen Proteine kategorisch ausklammert. Und diese Denkweise erinnert mich gewaltig an die Denkweise im Dunklen Mittelalter.

 


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